Google und die dicken Bretter der Kanzlerin auf der Buchmesse
Mittwoch, 14.10.2009
Der Auftritt der Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Eröffnung der Buchmesse war gar nicht nach dem Geschmack von Google. Die Regierungschef sagte an die Adresse des Internetgiganten: "Geistiges Eigentum gilt auch in der Zukunft. Das ist aber ein dickes Brett, das wir bohren müssen." Das Thema Urheberrechte und Medien ist mediengeschichtlich ein Dauerbrenner.
Als 1922 der Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau sein Meisterwerk "Nosferatu - eine Symphonie des Grauens" in die Kinos brachte, rief er Geister, die er nicht mehr loswurde. Die britische Autorenvereinigung klagte, weil dem Dracula-Autor Bram Stoker der Stoff geklaut worden war, und gewann einen spektakulären Urheberrechtsprozess. Das Berliner Urteil lautete: Vernichtung sämtlicher Filmkopien. Nur durch Zufall überlebten einige Exemplare des Klassikers.
Von einem solch drakonischen Urheberrecht kann die Buchbranche 84 Jahre später nur träumen. Heute hat Nosferatu, pardon: Google freie Bahn. Der weltgrößte Internetkonzern nutzt rechtliche Lücken, um mit dem Einscannen nicht mehr lieferbarer Bücher ein weltweites Milliardengeschäft im Netz aufzubauen. Die Schöpfer der Werke werden gemäß einer heftig umstrittenen Vereinbarung mit nur 60 Dollar abgespeist, später immerhin am Gewinn beteiligt. Soll am Google-Wesen die (Buch-) Welt genesen?
Gebetsmühlenartig verkündet der Konzern, dass er lediglich verlorenes Wissen wieder digital verfügbar machen wolle. Das ist die pure Scheinheiligkeit. Im Kern geht es für Google darum, ein Quasi-Monopol für das Wort zwischen zwei Buchdeckeln zu errichten. Sollten die Pläne Wirklichkeit werden, wären die Folgen für Verlage und Autoren verheerend. Schon jetzt versucht die Suchmaschine, die Bedingungen für die weltgrößte Online-Bibliothek im Internet zu diktieren.
Umso verdienstvoller ist nun das Veto der Bundeskanzlerin. Angela Merkel hat zur Eröffnung der Buchmesse mit ihrem Plädoyer für einen besseren Schutz des Urheberrechts im Internet und einer scharfen Kritik an der Raff-Strategie von Google endlich eine klare Position bezogen. Die Bücherliebhaberin lehnt die Pläne des Internetriesen ab, Werke ohne jeden urheberrechtlichen Schutz einfach einzuscannen. Indirekt unterstützt die Kanzlerin damit sogar die US-Regierung in Washington, die vor kurzem ebenfalls starke Bedenken geäußert hat.
Noch hat Google im Buchmarkt leichtes Spiel. In Deutschland ist beispielsweise 70 Jahre nach dem Tod eines Autors sein Buch nicht mehr urheberrechtlich geschützt. Im digitalen Zeitalter gehört ein derart antiquiertes Urheberrecht auf den Müllhaufen der Geschichte. Geistiges Eigentum darf kein Verfallsdatum haben!
In anderen Medienbranchen wären solche Regelungen schlichtweg undenkbar. Egal ob Charlie Chaplin oder Klassiker wie "Nosferatu" - für Filme gibt es keine Halbwertszeit.
Auf der Buchmesse in Frankfurt ist die Stimmung nicht schlecht, weil das Geschäft sich erstaunlich krisenfest zeigt. Noch bleibt den Verlagen Zeit, um sich neue Märkte wie das elektronische Publizieren zu erschließen. Das noch winzige Geschäft mit E-Books funktioniert aber auf Dauer nur, wenn eine Enteignung von Autoren und Verlagen durch simples Kopieren verhindert wird. Neue technische Möglichkeiten machen Eigentumsrechte nicht obsolet.
Die neuen Verbreitungsformen sind eine riesige Chance für die Buchbranche. Allerdings nur dann, wenn die Politik mit urheberrechtlichen und ordnungspolitischen Sicherungen die Googlerisierung des Buchs verhindert. Die Bundesregierung unter Angela Merkel hat offenbar den festen Willen dazu.
hpsiebenhaar um #10:51 in
Christoph Mohn 2.0 und die neue Zeitrechnung bei Bertelsmann
Montag, 12.10.2009
Auf der Trauerfeier am nächsten Freitag für seinen verstorbenen Vater wird Christoph Mohn seinen großen Auftritt haben. In der Gütersloher Stadthalle wird der Sohn des legendären Medienunternehmers Reinhard Mohn im Namen der Familie zu den 1000 eingeladenen Gästen sprechen. Im Gegensatz zu den anderen Rednern der Trauerfeier wie Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) ist Christoph Mohn alles andere als ein begnadeter Rhetoriker. Der stille, im persönlichen Umgang sympathische Unternehmersohn ist eher introvertiert. Der gebürtige Stuttgarter sucht seit jeher nicht die Bühne. Doch in seiner neuen Rolle kommt er um den großen Auftritt in Gütersloher Stadthalle, der live vom konzerneigenen Nachrichtensender N-TV übertragen wird, nicht herum.
Der gescheiterte Vorstandschef und ehemalige Großaktionär des Internetkonzerns Lycos Europe spielt künftig bei Bertelsmann eine Schlüsselrolle. Er zieht in die Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft (BVG), dem wahren Machtzentrum von Europas größtem Medienkonzern, ein. Dort war er seit 2003 nur Gast. Außerdem wird er künftig Mitglied des Kuratoriums der Bertelsmann-Stiftung. Dem Aufsichtsrat von Bertelsmann gehört er bereits seit November 2006 an.
Mit seinen neuen Posten wird der Christoph Mohn rehabilitiert. Zu Lebzeiten teilte ihm sein Vater eine Nebenrolle zu. Reinhard Mohn verglich seine Kinder Christoph und Brigitte in seinem letzten Buch. Christoph wurde dabei nur mit einem Halbsatz bedacht. „Während sich unser Sohn Christoph durch große Eigenständigkeit auszeichnet, teilt Brigitte in ihrer zielgerichteten und verantwortungsvollen Art meine Auffassung, dass jedermann mit seiner Arbeit auch einen Beitrag für die Gemeinschaft zu erbringen hat … Sie wird als engagiertes Mitglied des Stiftungsvorstands zweifelsohne auch zukünftig ihren Beitrag zur Kontinuitätssicherung der Bertelsmann Stiftung einbringen.“
Mit der zugedachten Nebenrolle für Christoph ist es nach dem Tod von Reinhard Mohn auf Wunsch seiner Mutter vorbei. Die stille Beisetzung des 88-Jährigen auf dem Neuen Stadtfriedhof in Gütersloh am vergangenen Mittwoch ist eine Zäsur für den derzeit defizitären Konzern. Denn in den nächsten sieben Jahren wird Elisabeth „Liz“ Mohn fest das Zepter bei Bertelsmann in den Händen halten. Die 68-jährige ehemalige Telefonistin des Buchklubs in Rheda-Wiedenbrück besitzt wie einst ihr Mann das Vetorecht in der Machtzentrale BVG. „Reinhard Mohn hat gewollt, dass seine Frau Liz seine Rolle übernimmt“ sagte Bertelsmann-Aufsichtsratschef Gunter Thielen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. In den eigenen Reihen ist diese Schlussfolgerung durchaus umstritten. „Liz Mohn hat die Macht im Konzern für sich reklamiert. Und Reinhard Mohn hatte nicht mehr die Kraft, etwas dagegen zu setzen“, sagte ein Jahrzehnte langer Bertelsmann-Mitarbeiter gestern.
Erst mit 75 Jahren wird Liz Mohn als BVG-Chefin und Sprecherin der Familie abtreten. Sie darf ihren Nachfolger oder Nachfolgerin selbst bestimmen. „Es gibt keinen
Automatismus, nach dem Brigitte Mohn später die Rolle ihrer Mutterübernimmt. Christoph Mohn hat die gleichen Chancen wie seine Schwester“, sagte Thielen im Namen von Liz Mohn.
Mit der zweiten Chance für Christoph Mohn ist nun das Rennen um die Macht bei Bertelsmann neu eröffnet. Bislang galt seine Schwester, die frühere Unternehmensberaterin Brigitte Mohn, als die Kronprinzessin. Seit vergangenem Jahr gehört die Politikwissenschaftlerin dem Bertelsmann-Aufsichtsrat an. Seit Anfang 2005 ist sie Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. Außerdem ist sie Mitglied der BVG und des Bertelsmann-Aufsichtsrates. Der in Hamburger lebende Bruder Andreas spielt auf Grund einer Krankheit keine Schüsselrolle.
In dem vom früheren Bertelsmann-Chef Thielen ausgerufenen Duell fühlt sich Christoph nicht unbedingt wohl. Sein Machtwille ist seit jeher nicht besonders stark ausgeprägt. „Für die Kinder ist das Ganze eine riesige Bürde. Sowohl Christoph als auch Brigitte haben nicht den Machtwillen der Mutter“, sagt ein langjähriger Kenner der Familie. Innerhalb des Konzerns bleibt der bescheidene Christoph Mohn gerne am Rande. Mit seinen beiden Kindern und seiner Frau Shobhna, einer aus Indien stammenden Mathematikerin, die als Finanzmanagerin unter Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe arbeitet, lebt er zurückgezogen am Stadtrand von Gütersloh.
Europas größter Medienkonzern befindet sich derzeit in schwerem Fahrwasser. Im ersten Halbjahr wies Bertelsmann einen Konzernfehlbetrag von 333 Mio. Euro aus. Der Umsatz ging um 6,8 Prozent auf knapp 7,2 Mrd. Euro zurück.
Einst war ein schwarzer Labrador der treueste Begleiter für Christoph Mohn. Der Edelhund war das Logo seines gescheiterten Internetunternehmens Lycos Europe. Glück brachte ihn der Labrador nicht. In seiner Rolle als Vorstandschef spielte der heute 44-Jährige jahrelang eine traurige Rolle. Bei Lycos Europe verbrannte er nach dem Börsengang im Jahr 2000 mehr als eine halbe Milliarde Euro. Immer wieder vertröstete er seine vielen Kleinaktionäre. Von Bertelsmann-Vorständen wurde hinter vorgehaltener Hand das Fiasko von Christoph mitleidig belächelt. Thielen fürchtete bereits über Jahre das Schlimmste. Im November 2008 war die Firma, die nie schwarze Zahlen schrieb, schließlich am Ende. 500 Mitarbeiter – darunter auch 220 in Gütersloh - verloren ihren Arbeitsplatz.
„Wer die Suppe eingebrockt hat, muss sie auch auslöffeln“, sagte der damalige Lycos-Aufsichtsratschef Jürgen Richter. „Christoph Mohn lernt nun für Leben.“ Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Zeitungskonzerns Axel Springer war von Thielen geholt worden, um den Mohn-Filius aus der Patsche zu helfen. Vergeblich.
Nun erhält aber erhält der studierte Betriebswirt seine zweite Chance. Diesmal geht es um mehr als ein überschaubares Online-Unternehmen. Es geht um alles bei Bertelsmann. Sein öffentlicher Auftritt bei der Trauerfeier am nächsten Freitagvormittag ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung in Gütersloh.
hpsiebenhaar um #07:59 in
Wann kommt der Teamworx-Film über Reinhard Mohn ins Fernsehen?
Sonntag, 04.10.2009
Die Trauer um die Unternehmerlegende Reinhard Mohn ist in ganz Europa groß.
Auf Europas größter Filmmesse Mipcom bewegte die Nachricht viele Besucher. Eine der großen Unternehmer der Medienbranche in Europa ist von der Bühne abgetreten.
Viele Mitarbeiter der UFA und der RTL-Sender aus ganz Europa sind in diesen Tagen in Cannes unterwegs. Über die Unternehmerlegende wird viel diskutiert. Doch über den Eigner von Europas größtem Fernsehkonzern RTL gibt es nur wenige öffentlich zugängliche filmische Dokumente, die sein spannendes Leben erzählen. Trotz seines unternehmerischen und gesellschaftlichen Wirkens ist seine komplette Biographie überraschend wenig bekannt.
Dabei wurde Reinhard Mohns Leben bereits zu Lebzeiten verfilmt. Allerdings geschah das unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der preisgekrönte Produzent Nico Hofmann („Tunnel“, „Dresden“) verfilmte als Chef der Bertelsmann-Filmtochter Teamworx die Unternehmervita.
Der einstündige Streifen wurde derzeit unter größter Geheimhaltung zum 85. Geburtstag produziert. Vor 700 Führungskräften in Berlin wurde der Film damals gezeigt. Die Idee zu einer Dokumentation mit fiktiven Elementen stammt vom damaligen Vorstandschef Gunter Thielen. Er und seine Vorstandskollegen hatten die ungewöhnliche Idee. Kein Geringerer als Sebastian Koch, der bereits den Widerstandskämpfer Graf Stauffenberg oder den entführenden Industriellen-Filius Richard Oetker oder den Seewolf mimte, schlüpfte in die Rolle von Reinhard Mohn. Auch die Konzernmatriarchin Liz Mohn hat ihren Auftritt in dem Film. Ihre Rolle übernimmt nach Angaben eines Konzernsprechers Nina-Friederike Gnädig, die sich bei der Herz-Schmerz-Geschichte „Verliebt in Berlin“ einen Namen gemacht hat.
Warum wird der eigentlich für interne Zwecke gedachte Film nicht im Fernsehen für ein Millionenpublikum ausgestrahlt? Verdient hätte er es! Denn der Film ist ein erstklassiges Werk über eine der großen Unternehmerlegenden der Bundesrepublik.
hpsiebenhaar um #16:07 in
Bertelsmann und die Rache des Internets
Freitag, 02.10.2009
Hartmut Ostrowski kennt keine falsche Rücksichten.
Der Chef von Europas größtem Medienkonzerns Bertelsmann verschont auch die eigene Zentrale in Gütersloh nicht. Die Hauptverwaltung an Carl-Bertelsmann-Straße in dem ostwestfälischen Städtchen muss bluten. In den kommenden Monaten werden sich in dem Gebäude mit den Charme einer AOK-Filiale die Gänge leeren. Rund jeder fünfte Mitarbeiter muss dort gehen. 130 der 692 Mitarbeiter werden im „Corporate Center“ abgebaut. Bertelsmann spart so im Jahr 25 Millionen Euro.
Klar, die Krise erreicht auch das Bertelsmann-Herzstück. Ostrowski hat bereits in den vergangenen Monaten keinen Hehl daraus gemacht, dass auch das „Corporate Center“ nicht verschont wird.
Bei den Konzerntöchtern werden die einmaligen Personalmaßnahmen in Gütersloh mit einer gewissen Genugtuung verfolgt. Denn außerhalb Güterslohs regiert bereits schon länger der unbarmherzige Rotstift. Erst gestern bekam das die Zeitschriftentochter Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) zu spüren: Das Hamburger Verlagshaus baut in seiner Not die Vermarktung um. Daher werden offenbar rund 85 der 280 Stellen in diesem Bereich gestrichen.
Bertelsmann will sich durch die Krise sparen. Ob das gelingt? Der Konzern stöhnt und ächzt unter den Vorgaben der Gütersloher. Allein in diesem Jahr sollen die Kosten um 900 Millionen Euro gesenkt werden. Das ist selbst Bertelsmann-Verhältnisse eine riesige Summe. So etwas gab es in der Geschichte des einst so erfolgreichen Medienriesen noch nie.
Derzeit läuft im Konzern, der im ersten Halbjahr rote Zahlen schrieb, wenig rund. Die Werbekrise und die Rezession schlagen bei allen Konzerntöchtern zu. Der Medien- und Druckdienstleister Arvato spürt die miserable Konjunktur genauso wie Gruner + Jahr, die Buchklubs oder Random House. Besonders schwer ist die RTL Group gebeutelt. Europas größter Fernsehkonzern ist ein Opfer der stark rückläufigen Werbeeinnahmen. Ob die guten Zeiten wieder zurückkehren, erscheint immer unwahrscheinlicher.
Denn der Werbekuchen wird derzeit neu verteilt. In Großbritannien hat gerade das Internet das Fernsehen als wichtigsten Werbeträger abgehängt. Erstmals haben in einem europäischen Land die Online-Medien die Fernsehsender überrundet. Andere Märkte werden diesem Trend womöglich schon bald folgen. Dabei steht und fällt Bertelsmann mit dem Erfolg von RTL. Die Fernsehsender von Madrid bis Moskau sind schließlich seit Jahren der wichtigste Gewinnbringer der Gütersloher.
Für Bertelsmann hätte die unerwartet schnelle Veränderungen im Werbeverhalten drastische Folgen. Über Jahre haben die Gütersloher dem Internet zu wenig Bedeutung geschenkt. Zuletzt haben sie sogar eine zukunftsträchtige Softwarefirma wie Empolis an den SAP-Gründer Klaus Tschira verkauft. Im internationalen Online-Geschäft ist Bertelsmann seit Jahren mehr Zuschauer als Akteur. Das kann sich nun bitter rächen.
hpsiebenhaar um #07:01 in
Alles Chicago!
Donnerstag, 17.09.2009
Für die deutschen Fernsehsender ist die Vergabe der Spiele nach Übersee wegen des Zeitunterschieds grundsätzlich eine schlechte Nachricht. Schon die Coca-Cola-Sommerspiele in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia 1996 zeigten, wie sehr das Zuschauerinteresse hierzulande unter der Zeitdifferenz leidet.
Der Bezahlsender Sky (früher Premiere) kann die Entscheidung der Herren der olympischen Ringe in knapp zwei Wochen in aller Ruhe abwarten. Denn der Pay-TV-Konzern des amerikanischen Medienriesen News Corp. ist auf die Live-Übertragung nicht angewiesen. Die Olympischen Spiele sind als einmaliges, vorübergehendes Ereignis nicht dazu geeignet, neue Abonnenten anzulocken.
Natürlich hat der Bezahlsender des Medientycoons Rupert Murdoch für die Olympia-Rechte ähnlich wie ARD und ZDF seinen Hut in den Ring geworfen. Sky soll rund 100 Millionen Euro aufgerufen haben. Den größten Teil dieser Summe müsste sich der seit seiner Gründung defizitäre Pay-TV-Konzern aber aus dem Weiterverkauf an ARD und ZDF zurückholen. Denn Sky wäre beim Erwerb der Sommerspiele verpflichtet, 200 Stunden an das frei empfangbare Fernsehen abzugeben. Weil aber ARD und ZDF die einzigen Mitbieter sind, würde sich Sky damit in eine denkbar schlechte Verhandlungsposition bringen. Der Konzern wäre auf Gedeih und Verderb den Anstalten ausgeliefert.
Für IOC-Vizepräsident Thomas Bach soll der Verkauf der TV-Rechte zu einem Meisterstück werden. Der Anwalt aus dem fränkischen Tauberbischofsheim will schließlich IOC-Präsident werden. Doch vielleicht hat sich der Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde verrechnet. Sky braucht sich nicht in einen Bieterkampf ohne Grenzen drängen zu lassen. Denn für den Konzern ergibt der Kauf der Rechte ökonomisch keinen Sinn. Die Kosten sind nicht refinanzierbar.
Der Bezahlsender mit derzeit knapp 2,4 Millionen Kunden hat längst die richtigen Sportrechte im Portfolio. Das sind neben der Fußball-Bundesliga die Champions League und der DFB-Pokal. Angesichts schlechter Geschäftszahlen muss das Unternehmen ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen. Im vergangenen Quartal stieg der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf minus 63 Millionen. Der Umsatz ging auf knapp 231 Millionen Euro zurück.
Selbst wenn Sky beim Olympia-Rechtepoker leer ausgeht, werden die Abonnenten wahrscheinlich nicht in die Röhre gucken. Denn auf der Plattform von Sky sendet auch Eurosport. Der Kanal des französischen Fernsehkonzerns TF 1 berichtet bereits seit 1992 live über die olympischen Wettkämpfe. Warum sollte das bei den Olympischen Spielen 2016 anders sein?
hpsiebenhaar um #15:30 in
Gefesselter Gulliver in Gütersloh
Montag, 07.09.2009
Bertelsmann gleicht derzeit einem gefesselten Gulliver. Denn zu milliardenschweren Zukäufen wie der US-Konkurrent Disney ist der deutsche Medienriese kaum in der Lage. Ein gewaltiger Schuldenberg drückt die Gütersloher. Zum Ende des ersten Halbjahrs sind die wirtschaftlichen Finanzschulden auf 6,8 Milliarden Euro gestiegen. Die Nettofinanzschulden belaufen sich auf rund 3,6 Milliarden Euro.
Entgegen früherer Versprechungen kommt Bertelsmann beim Abtragen des Schuldenbergs nicht wie geplant voran. Der dynamische Verschuldungsgrad, also das Verhältnis der Nettoschulden zum operativen Ergebnis (Ebitda), liegt deutlich über der internen Obergrenze von 3,0. Pessimistische Marktbeobachter wie etwa Analysten der britischen Bank Barclay’s erwarten bis Jahresende sogar einen Anstieg dieser Kennzahl auf vier plus x.
Die Quittung für den verzögerten Schuldenabbau bekommt Bertelsmann bereits. Die Ratingagentur Moody's stufte die Gütersloher auf „Baa2“, Ausblick stabil, herab. Wenn das Sparprogramm dauerhaft keine Früchte tragen sollte, deutete Moody’s eine weitere Herabstufung an. Harte Zeiten für den früher so erfolgsverwöhnten Konzern.
hpsiebenhaar um #17:11 in
HDTV: RTL wirft ARD und ZDF Scheinheiligkeit vor
Montag, 07.09.2009
In der vergangenen Woche hatte ZDF-Intendant Markus Schächter und ARD-Chef Peter Boudgoust zum Auftakt der IFA kräftig ausgeteilt. Beim Hintergrundgespräch im Berliner Nobel-Hotel Westin in der Friedrichstraße bekam jeder sein Fett weg - die Kabelkonzerne, SES Astra, Pro Sieben Sat 1 und RTL.
Der Kölner TV-Konzern hat sich über die Kritik an der neuen HDTV-Gebühr richtig geärgert. Ab 1. November will die Bertelsmann-Tochter zusammen mit dem Satellitenkonzern SES-Astra für RTL und Vox in HD-Qualität eine monatliche Zusatzgebühr von etwa fünf Euro nehmen.
Auf der IFA macht nun Marc Schröder, Chef von RTL Interactive, aus seinem Herzen keine Mördergrube mehr. Der frühere Telekommanager schlägt zurück. "Es ist wenig hilfreich - und zudem scheinheilig - wenn die öffentlich-rechtlichen TV-Kollegen scheinbar betroffen einen Makel darin ausmachen, dass ein Angebot von Programmen über die Plattform HD+ von SES Astra den Nutzer für den Mehrwert HD eine Pauschale kosten wird. Leider nicht zu hören war, dass sich ARD und ZDF für die laufende Gebührenperiode bereits schlappe 244 Millionen Euro haben genehmigen lassen für die Umsetzung von HD. Halbwahrheiten wie diese sind aus meiner Sicht verzichtbar."
Schröder hat natürlich recht, ARD und ZDF haben leicht reden. Mit einer Viertel Milliarde im Rücken lässt sich leicht hoch auflösendes Fernsehen "gratis" anbieten.... Wenn er allerdings glaubt, dass der Ärger gegen die neue HDTV-Gebühr abnehmen wird, so hat sich der RTL-Manager gründlih getäuscht.
Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise sind die Verbraucher extrem preissensibel. Die Pläne von SES Astra mit RTL und Pro Sieben Sat 1 künftig rund fünf Euro extra zu nehmen, werden noch viel Widerstand herausfordern. Schon jetzt ist klar, mit der Idee einer HDTV-Gebühr haben sie der Einführung der neuen Fernsehtechnologie einen Bärendienst erwiesen.
hpsiebenhaar um #17:07 in
Bertelsmann ohne Tabus
Montag, 31.08.2009
Der Personalabbau wird angesichts der unsicheren Zukunftsaussichten weiter gehen. Schon im ersten Halbjahr wurden annähernd 4000 Mitarbeiter abgebaut. Bis Jahresende könnten es womöglich 3000 weitere Arbeitsplätze sein. Selbst die Konzernzentrale in Gütersloh bleibt vom Stellenabbau nicht verschont. Das hat Signalwirkung für das gesamte Unternehmen.
Bertelsmann ist in seiner Not nicht allein. Auch andere Medienkonzerne wie News Corp. oder Disney sind von der Rezession gebeutelt. Doch das ist ein schwacher Trost für die Gütersloher.
Die Wachstumspläne hat Bertelsmann erst einmal ad acta gelegt. Im Vorstand wird frühestens mit einer Erholung im Jahr 2012 gerechnet. Ostrowski, der einst Lämmer zu Löwen im Konzern machen wollte, ist bescheiden und nüchtern geworden. Das ist eine gute Voraussetzung, um die schwerste Medienkrise seit Jahrzehnten zu meistern.
hpsiebenhaar um #14:00 in
Anpfiff zum Schlagerspiel: Telekom contra Sky
Freitag, 07.08.2009
Das Internetfernsehen des ehemaligen Monopolisten aus Bonn ist eine Erfolgsgeschichte. Lange hatte man dem einstigen Staatskonzern gar nicht zugetraut, im deutschen Fernsehgeschäft eine relevante Rolle zu spielen. Doch das hat sich nun radikal geändert. In den vergangenen zwölf Monaten hat der Bonner Konzern seine Kundenzahl verdreifacht. Die Kombilösung aus TV, Telefonie und Internet findet immer mehr Zulauf. Das IPTV-Angebot "Entertain" zählt bereits 721 000 Abonnenten. Bis Jahresende soll die Millionen-Grenze überschritten werden.
Beim langjährigen Quasi-Monopolisten Sky - früher als Premiere bekannt - blinken die Warnlampen. Die Attacke ist brandgefährlich. Denn die Telekom ist im Vergleich ein wirtschaftlicher Gigant. Die Allianz des Konzerns mit Leo Kirch und dessen Firma Constantin Medien ist außerdem ein Garant für Professionalität. Mit dem ehemaligen Moderator Johannes B. Kerner fand das Tandem zudem einen populären Kommentator.
Der Angriff der Telekom im Bezahlfernsehen bringt den seit vielen Jahren verlustreichen Pay-TV-Konzern Sky noch stärker unter Druck. Schließlich kommt die Fernsehtochter des Medien-Unternehmers Rupert Murdoch bei der Gewinnung neuer Abonnenten, die sie dringend braucht, kaum voran. Zwei Jahrzehnte hat der Münchener Bezahlsender gebraucht, um gerade mal 2,4 Millionen Kunden zu gewinnen. Das erklärte Ziel von 7,4 Millionen Abonnenten rückt durch den Vorstoß der Telekom erst einmal in unerreichbare Ferne.
Überraschend hat Murdoch über seinen gebeutelten Medienkonzern News. Corp. seine Beteiligung um zehn Prozent auf mittlerweile 40 Prozent aufgestockt. Der Medienzar aus New York wollte in einer schwierigen Situation ein öffentliches Bekenntnis für Sky ablegen. Doch sein Vertrauen könnte schnell schwinden, wenn Murdoch merkt, dass er sich mit der Telekom einen Konkurrenten eingefangen hat, der schlichtweg in einer anderen Liga spielt.
hpsiebenhaar um #08:38 in
Druckriese Schlott holt SPD-Politiker Dohnanyi als Mediator
Montag, 15.06.2009
Der Tiefdruckkonzern Schlott holt für die Auseinandersetzung um den Personalabbau den früheren Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) als Vermittler. „Er hat die Funktion eines neutralen Mediators übernommen“, hieß es in Unternehmenskreisen. Dohnanyi soll nach den Vorstellungen von Schlott-Chef Bernd Rose den Umbau von Deutschlands zweitgrößtem Tiefdruckkonzern begleiten.
Der Druck ist groß. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet Schlott mittlerweile mit roten Zahlen. Bereits im Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr 2007/08 hatte der Konzern einen Verlust von 12,5 Mio. Euro verkraften müssen. Der Vorstand von Schlott hat wegen der Restrukturierung bereits ein Gespräch in „konstruktiv-freundlicher Atmosphäre“ mit Arbeitnehmervertretern geführt. Auch Dohnanyi hat nach Konzernangaben an der ersten Gesprächsrunde teilgenommen. Am kommenden Mittwoch sollen nun die Verhandlungen in Hamburg wieder aufgenommen werden. Insider erwarten harte Auseinandersetzungen. Die Konzernführung hat mit der Unternehmensberatung Roland Berger ein Programm zur Kostensenkungen ausgearbeitet. Darin ist der Abbau von 350 Arbeitsplätzen vorgesehen. Das stößt bei den Gewerkschaften auf Widerstand. „Man kann nicht auf der einen Seite Dividende ausschütten und andererseits das Unternehmen in rote Zahlen fahren, Arbeitsplätze vernichten und massive Beschäftigtenopfer verlangen. Das passt nicht zusammen“, kritisiert Verdi.
Derzeit laufen außerdem Gespräche mit einer Reihe von Banken, darunter die Deutsche Bank und Landesbank Baden-Württemberg. Um an neue Finanzmittel zu kommen, prüft Schlott einen Antrag bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). „Das ist eine mögliche Quelle, die man anzapfen könnte“, hieß es gestern in Unternehmenskreisen. Schlott-Finanzvorstand Heiko Arnold sagte uns heute: "Das Restrukturierungskonzept ist allen Finanzierungspartnern der Schlott Gruppe vorgestellt worden. Die Schlott Gruppe finanziert sich derzeit über kurzfristige Kontokorrentlinien, langfristige Darlehensbeziehungen für Investitionen sowie ein im Sommer des letzten Jahres begebenes Schuldscheindarlehen. Ferner besteht seit Oktober des vergangenen Jahres ein Factoring-Programm. Die Finanzierungspartner umfassen dabei das gesamte Spektrum der deutschen Bankenlandschaft, d.h. sowohl Sparkassen und Landesbanken als auch große Geschäftsbanken. Ausländische Kreditgeber spielen dabei sowohl von der Anzahl als auch vom Kreditvolumen her eine eher untergeordnete Rolle. Ebenfalls eingebunden in diese Diskussionen sind die großen Kreditversicherer, die derzeit Lieferungen an die Schlott Gruppe versichern."
Die Schlott-Gruppe hatte in der vergangenen Woche angekündigt, bis Frühjahr 2010 jede siebte Stelle zu streichen. Außerdem soll der Freudenstädter Konzern ein Fünftel seiner Kapazitäten abbauen. Besonders betroffen ist der norddeutsche Standort mit den Broschek-Druckereien. Derzeit beschäftigt Schlott noch 2 300 Menschen im Zeitschriften- und Katalogdruck. Auslöser für den Stellen- und Kapazitätsabbau ist die sinkende Nachfrage und der ruinöse Preiskampf in der Tiefdruckbranche.
Auch der Marktführer Prinovis arbeitet mit Hilfe der Unternehmensberatung A.T. Kearney unter Hochdruck an einem Sparprogramm. Im Juli will Prinovis-Chef Thorsten Thiel, ein Vertrauter von Bertelsmann–Chef Hartmut Ostrowski, die neue Strategie vorstellen, um die Branchenkrise zu bewältigen. An den Standorten Itzehoe und Ahrensburg arbeiten bereits 1 300 Beschäftige der Bertelsmann-Tochter kurz. Bertelsmann hält 74,9 Prozent, Axel Springer 25,1 Prozent der Anteile. Neben der schlechten Marktlage belastet nun auch die Insolvenz von Arcandor und des Versandhauses Quelle. Es droht nach Angaben aus Unternehmenskreisen der Verlust von Druckaufträgen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Auch Schlott ist von der Krise des Handelskonzerns betroffen. Nach Angaben von Unternehmensinsidern droht der Umsatzverlust von rund zehn Mio. Euro.
hpsiebenhaar um #16:51 in
